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Karezza: Sex ohne Orgasmus

„Ich komm gleich“ ist wohl etwas, dass wir alle schon einmal genuschelt, gestöhnt oder geraunt haben. Glaubt man Studien, kommen Männer beim Hetero-Sex tendenziell häufiger in den Genuss, diese glorreichen drei Worte zu sprechen – hält sie nicht der Orgasmus davon ab.

Doch es gibt eine Methode, die diese Situation, so weit es geht, nach hinten schieben, wenn nicht gar verhindern will. Es handelt sich um die Sexpraktik Karezza.

Das ist Karezza

Der Begriff leitet sich vom italienischen Wort „carezza“ ab, was soviel wie „Liebkosung“ bedeutet. Das weist schon den Weg in die Richtung, die beim Karezza-Sex eingeschlagen wird.

Es geht bei dieser Methode nicht nur um Leidenschaft, sondern vielmehr um Liebe. Ein liebevolles Sich-Begegnen im sexuellen Akt ist die vielleicht einfachste Beschreibung, die Karezza umreißt. 

Dabei soll der Mann bewusst versuchen, seinen Orgasmus hinauszuzögern oder gar nicht zum Höhepunkt zu kommen. Letzteres ist natürlich kein Muss. Am Ende einer Session ist es jedem selbst überlassen, ob er seiner Lust nachgeben will oder nicht.

Karezza – liebevoll Liebe machen

Dass es für den Mann keinen Orgasmus-Druck gibt, kann gerade Paaren helfen, bei denen Er Orgasmus-Probleme hat. Denn in den Akt der Liebe werden neben der reinen Penetration vor allem Liebesbekundungen miteinbezogen.

Doch Karezza ist etwas für alle Paare, die mehr als nur die körperliche Vereinigung anstreben. Stellungen, bei denen ihr euch in die Augen schaut, und bewusstes, langsames Erfühlen der Bewegungen und Erregung machen Karezza zu einem körperlich-geistigen Erleben. 

Da Zuneigung und Entschleunigung im Vordergrund stehen, erinnert die Sexpraktik stark an Slow Sex. Dabei geht es nicht nur um den Sex an sich. Auch Küssen, Umarmen, Streicheln und andere Arten des zärtlichen Austauschs zählen dazu und sorgen für eine willkommene Abwechslung.

Deshalb kann Karezza lustfördernd sein

Wer kann schon von sich behaupten, alle erogenen Zonen des oder der Liebsten zu kennen? Eben. Oft übermannt einen die Lust, Liebe oder Leidenschaft, und bereits erprobte und für beide luststeigernde Stellungen bestimmen den Akt, immer das Ziel vor Augen. Da bleibt oft wenig Raum für Neues.

Doch was ist das eigentlich, das Ziel von Sex? Reine Triebbefriedigung? Manchmal vielleicht. Aber in langjährigen Partnerschaften oder der neuen, intensiven Liebesbeziehung geht es noch um etwas anderes als die bloße Lust: Darum, den anderen zu sehen, selbst gesehen zu werden, die Zuneigung zueinander durch die körperliche Liebkosung zum Ausdruck zu bringen.

Karezza? Ist einen Versuch wert!

Und das ist es, was Karezza so reizvoll macht. Einander im Akt der Liebe wieder aufrichtig zu begegnen, und das, ohne das Finale im Hinterkopf zu haben.

Sex im Hier und Jetzt und ohne die Frage, wer wann kommt oder nicht kommt. So kann die Sexpraktik helfen, sich wieder gefühlvoll auf den Partner einzulassen und vielleicht auch wieder neue Lustpunkte zu entdecken. 

Karezza ist eine Sexpraktik, die Wert auf Achtsamkeit und pures Empfinden legt. Deshalb erinnert sie stark an Mindful oder Sober Sex. Es geht darum, sich einzig aufeinander zu konzentrieren, und in jedem Moment aufs Neue.

Und so geht Karezza

Kuscheln geht mit Karezza einher, denn ihr macht es euch beim langsamen und langen Liebesspiel so bequem wie möglich. Wählt am besten Sexstellungen, bei denen ihr euch nicht verrenken müsst oder verkrampft.

Geeignet sind beispielsweise die Lotusstellung, bei der ihr euch innig umarmen könnt, oder die Reiterstellung, bei der Sie oben ist.

Legt euch, bevor es losgeht, nebeneinander. Schaut euch in die Augen, streichelt euch, sagt euch etwas Schönes. Wenn ihr keine Freunde der großen Worte seid: auch gut. Dann zeigt eurem oder eurer Liebsten durch Berührungen und Blicke, wie sehr ihr ihn oder sie begehrt.

Pausen zwischen einzelnen Phasen der Penetration sind nicht nur erlaubt, sondern sogar gewünscht. Lasst euer Liebesspiel immer wieder abflauen und kuschelt lediglich miteinander, bevor es wieder losgeht und eure Lust erneut Fahrt aufnimmt.

Das braucht ihr fürs „Liebkosen“

Zwei Dinge sind allerdings Voraussetzung fürs Karezza-Lieben: Ihr müsst einerseits einen liebevollen Umgang miteinander pflegen und wirkliches Interesse aneinander haben. Nur so entsteht ein gemütlicher und lustvoller, aber auch sehr intimer Liebesakt, bei dem Zärtlichkeiten ausgetauscht werden können. Und darum geht es bei dieser Art der Liebkosung.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist Zeit. Diese müsst ihr euch nehmen, wenn ihr Karezza so richtig intensiv erleben wollt. Es geht darum, ähnlich wie beim Slow Sex, das Liebesspiel zu entschleunigen, sich wieder bewusster wahrzunehmen und Zeit zu lassen. Die Zeit bewusst miteinander zu verbringen.

Na, habt ihr ein Zeitfenster gefunden? Dann nichts wie rein ins Schlafzimmer und sich gegenseitig ein bisschen mehr Zuwendung schenken.

Bildnachweis:
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Text: Carina Starklauf

Doch Karezza ist etwas für alle Paare, die mehr als nur die körperliche Vereinigung anstreben.

Autorin
Jacqueline
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