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Kondome kaufen: Sind günstige Kondome schlechter?

Social Media lebt bekanntlich von Interaktion und so beantworten wir natürlich auch gerne Fragen, die von Euch an uns herangetragen werden. Die besten Fragen, an deren Beantwortung sich niemand herantraut, landen dann bei mir auf dem Schreibtisch – in diesem Falle also: „Sind günstige Kondome schlechter als teure?“

Wieder einmal eine der berühmten Gretchen-Fragen – leicht gestellt, schwer zu beantworten. Sind billige Autos schlechter als teure? Klare Sache: Kommt drauf an! Beim Kondome kaufen solltet Ihr also wie bei anderen Anschaffungen auch prüfen, was Ihr da in den Händen haltet. Worauf Ihr dabei zu achten habt, erkläre ich Euch in diesem Beitag.

Qualitätsmanagement für Kondome

Zunächst einmal sind Kondome Medizinprodukte der Klasse IIb und unterliegen klar festgelegten Mindeststandards aus der Norm EN ISO 4074. Die Hersteller müssen ein detailliert geregeltes Qualitätsmanagementsystem besitzen, welches von sogenannten "Benannten Stellen" überwacht wird (wohlgemerkt das System – nicht unbedingt die hergestellten Produkte).

Wenn die Benannten Stellen ihr OK geben, dürfen die Produkte des Herstellers mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet werden und erst dann dürfen sie überhaupt erst verkauft werden. Zum Qualitätsmanagement bei Ritex haben wir Euch ja schon mal aufgeklärt, hier könnt Ihr das noch mal nachlesen.

Vorsicht bei falschen Siegeln auf Kondomen

Im Prinzip sollten daher alle in Deutschland kaufbaren Kondome wenigstens den Mindeststandard erfüllen. Allerdings sind in jüngerer Zeit über den stetig wachsenden Online-Handel immer öfter Kondome zu finden, welche kein CE-Zeichen tragen, damit keiner Überwachung unterliegen und eigentlich gar nicht erst in die EU hätten gelangen dürfen.

In einigen Fällen tragen solche Produkte zwar ein CE-Zeichen und werben sogar mit offiziellen Prüfzertifikaten, aber ein fachkundiger Betrachter sieht auf den ersten Blick, dass ein Betrug vorliegen muss.

Beim Kondomkauf - Woran erkennt man „kritische“ Kondome?

1. Kondome müssen ein CE-Zeichen tragen und zwar außen auf der Packung und auf den Siegelbriefchen. Tun sie das nicht oder stimmt die vierstellige Nummer beim CE-Zeichen nicht überein: Finger weg!

2. Sowohl der Text auf der Packung als auch der Text auf dem Beipackzettel müssen in deutscher Sprache vorliegen. Fehlt die deutsche Sprache, wurde hier getrickst.

3. Der „Hersteller“ muss sowohl auf der Packung als auch auf dem Siegelbriefchen angegeben sein und muss seinen Sitz in der EU haben. In manchen Fällen werden auch mehrere Adressen angegeben; eine der Adressen muss aber eine EU Adresse sein.

a. Ich habe „Hersteller" in Anführungszeichen gesetzt, da es sich der Gesetzgeber hier leider etwas leichtgemacht hat. Nach der gesetzlichen Definition ist „Hersteller“ nämlich der, der herstellt oder der als erster die Ware innerhalb der EU in Verkehr bringt.

b. Der Sinn dieser Regelung ist, dass die Behörden einen faktischen Zugriff auf jedes Unternehmen haben, welches Medizinprodukte in Verkehr bringt. Das geht aber nur dann, wenn dieses Unternehmen seinen Sitz auch in der EU hat.

c. Leider glauben viele Verbraucher aufgrund dieser Regelung Produkte zu benutzen, die irgendwo in der EU hergestellt worden sind. In vielen Fällen handelt es sich dabei aber nur um sogenannte „autorisierte Vertreter“, also im Prinzip um Importeure.

4. Sowohl Packung als auch Siegelbriefchen müssen eine Chargennummer tragen (oft abgekürzt mit LOT), welche in der Regel auf beiden Verpackungen auch identisch sein muss. Es kann Abweichungen geben, wenn mehrere Chargen von Siegelbriefchen in einer Packung zusammengefasst werden. Dann muss die Packung jedoch eine IDENT-Nummer tragen (in etwa also eine Sammelcharge).

5. Das Verfalldatum muss auf der Packung und auf den Siegelbriefchen angebracht sein. Im Falle von mehreren Chargen in einer Packung muss auf der Packung das Verfalldatum mit der kürzesten Restlaufzeit stehen.

6. Auf der Verpackung müssen dann noch viele andere Sachen hinsichtlich Produktbeschreibung, Lagerhinweisen, Warnhinweise usw. stehen, deren Aufzählung hier dann zu lang wird.

Augen auf, wenn Ihr Kondome kauft!

Kurzum: Bei besonders billiger Ware gerade aus dem Internet sollte man lieber vorsichtig sein, ob sie denn wirklich den gesetzlichen Mindeststandards entspricht oder ob nicht gar eine gesundheitliche Gefährdung davon ausgehen könnte. Kondome können nämlich nicht "nur" platzen, sondern selbst z. B. mikrobiell verunreinigt sein.

Dies zu erkennen ist natürlich deutlich schwerer, als wenn irgendwelche Fehler auf der Packung vorliegen. Ein gewisses Anzeichen für verunreinigte Kondome liegt in deren Geruch: Stinken die Kondome (oder sind sie stark parfümiert, um Gerüche zu überdecken), dann sind sie eventuell kontaminiert.

Alles in allem gilt also auch für Kondome die alte Weisheit, dass sie nicht schlecht sein müssen, nur weil sie billiger als andere sind. Werden Kondome allerdings verdächtig günstig, sollte man lieber zweimal hinschauen, denn bei der Herstellung von Kondomen kann man schon einigen Schindluder treiben – und für ein paar Euro sollte man dann doch nicht seine Gesundheit aufs Spiel setzen.

Bildnachweis:
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Augen auf, wenn Ihr Kondome kauft!

Autor
Robert Richter
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