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Gesundheit

Superfood

10.02.2017

Von allen Seiten springt es einen mittlerweile aus jedem Supermarktregal an, sogar von den Grabbeltischen im Discounter: Das Superfood. Beim Surfen im Netz poppt Werbung für Superbeeren auf. Im Fitnessstudio liegen Flyer mit Sonderangeboten für das Superfood Chia herum. Es gibt kein Entkommen. Wer es schafft, das ganze Zeug zu ignorieren, hat aber garantiert eine/n Freund/in oder Arbeitskollegin, der oder die total im Superfood-Hype steckt und alle davon überzeugen will, dass das unbedingt sein muss. Normalerweise sperre ich mich ja gerne aus Prinzip gegen solche Hypes. Aber man muss ja auch gelegentlich über den Tellerrand hinausblicken und aus seinen Gewohnheiten ausbrechen.

Deshalb werfe ich in diesem Beitrag mal einen genaueren Blick auf Superfood. Was ist dran an den Superhelden unter den Lebensmitteln?

  1. die aÇai-beere

    Da weiß ich nicht mal, wie man das ausspricht. Wenn man Werbeanzeigen im Netz glaubt, verliert man damit ja ungefähr 20 Kilo in nur drei Tagen. Wow! Da esse ich doch gleich ein Kilo davon, während ich auf den Rest der Märchenstunde warte. Ihr ahnt es bereits: Der angebliche Abnehm- und Anti-Aging-Effekt ist Quatsch. Tatsächlich enthält die Beere, die ein wenig an die schwarze Johannisbeere erinnert, Antioxidantien und auch viele Vitamine und Mineralstoffe. Sie ist also durchaus gesund. Die Wunderwirkung wurde aber bisher nie richtig bewiesen. Sauerkirschen und Heidelbeeren enthalten übrigens mehr Antioxidantien als das Superfood Açai.
  2. Chia-Samen

    aus Mexiko sind gerade besonders groß im Kommen. Sie enthalten sehr viele Omega-3-Fettsäuren. Außerdem sollen auch sie beim Abnehmen helfen. Fakt ist, dass der Körper die Fettsäuren aus tierischen Lebensmitteln besser aufnehmen kann. Die gequollenen Chia-Samen machen lange satt und helfen indirekt also bei einer Diät. Duane Mellor von der Universtiy of Nottingham kommt zu einem ähnlichen Schluss wie sein spanischer Kollege bei der Goji-Beere: Chia-Samen sind gesund. Andere Lebensmittel aber in gleichem Maße. Weniger schick, aber genauso wirkungsvoll sind zum Beispiel Leinsamen oder Hanfsamen. Die wertvollen Omega-3-Säuren stecken ebenso in fettem Fisch wie zum Beispiel Lachs. Wer keinen Fisch mag oder eine Abwechslung braucht, liegt mit Chia-Samen aber richtig.
  3. Die Goji-Beere

    Sie wird vor allem als Anti-Aging-Quelle angepriesen. Auch die Goji-Beere ist wirklich gesund. Aber ähnlich wie bei der Açai Beere stecken die wirksamen Substanzen genauso in anderem Obst. Der Ernährungswissenschaftler de Victoria von der Universität Granada fasst das so zusammen: Die Goji-Beere ist gesund, hat aber anderem Obst und Gemüse nichts voraus. Im Deutschen heißt die Goji-Beere übrigens Gemeiner Bocksdorn. Klingt gleich viel weniger trendy und toll.
  4. Kokosöl

    ist gerade auch sehr beliebt und soll gleich für mehrere Dinge gut sein. Einige Studien behaupten, dass Kokosöl den Blutzucker regulieren und damit beim Abnehmen helfen soll (zum Beispiel im Bullet Proof Coffee). Außerdem reduziert es angeblich das Risiko für Schlaganfälle und Alzheimer. Aber wie bei Studien zu anderem Superfood ist nichts davon wirklich beim Menschen nachgewiesen worden. Definitiv schmeckt Kokosöl lecker in Thai-Essen und ist gut für trockene Haarspitzen. Das ist ja auch schon mal was.
  5. Zu guter letzt: Schokolade

    ist jetzt gesund. Endlich! Meine Gebete wurden erhört! Der in Schokolade enthaltene Kakao hat einen hohen Flavonoidgehalt. Dieser soll den Blutdruck senken und damit das Risiko von Herzerkrankungen minimieren. Dazu müsste man allerdings eine Menge Schokolade essen, und die enthält nun mal auch viel Zucker und Fett.

Was ist nun das Fazit aus diesen Erkenntnissen? Dass man um eine gesunde Ernährung trotz Superfood nicht herumkommt. Drei Doppel-Whopper plus extra Käse mit einer Handvoll Chia-Samen ausgleichen funktioniert leider nicht. Obst und Gemüse essen, Vollkornprodukte und Nüsse. Eigentlich ganz einfach. Die Superfoods haben zwar einen hohen Anteil an Nährstoffen, sind aber sehr weit gereist und können nicht mehr als heimische Früchte und Samen. Eine günstigere und ökologisch sinnvollere Variante sind da regionale Lebensmittel.

Superfood ist vor allem ein Marketingbegriff und hat viel mit Verkaufsstrategie zu tun. Die Wirkung ist an Menschen nicht wissenschaftlich bewiesen, dazu ist die Datenlage einfach zu dünn. Ob man das Geld dafür ausgeben möchte, muss jeder selbst entscheiden – Wunder vollbringen sie nicht.

 

Bildnachweis:
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531415933 © StephanieFrey/istock

Was ist dran an den Superhelden unter den Lebensmitteln?

Autor
Jacqueline
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