Kolumne

Katastrophale erste Dates

Schlimme Dates - auch Männer haben welche!

Es gibt Dates, die lassen einen an der Menschheit zweifeln. So richtig. Wie werde ich ihn oder sie los in 10 Tagen? Das ist was für Anfänger. Manche Dates schaffen das in einer Stunde. Bei Twitter gibt es den Hashtag #FiveWordsToRuinADate – und nicht umsonst. Da sind die Sätze des Grauens zwar ausgedacht, aber ich hatte schon schlimme Dates, die hätte sich ein verzweifelter Twitterer oder der phantasievollste Drehbuchschreiber nicht ausdenken können.

Auch ich habe mich eine Weile in der Welt des Online-Datings getummelt, bis ich eine tolle Frau gefunden habe (ja, die gibt es auf Dating-Plattformen!). Bis dahin war der Weg allerdings echt ganz schön hart.

Mein Date - nennen wir sie mal Jeanette - hat wirklich an einem Abend Sprüche für zehn Dates aus der Hölle rausgehauen. Jeanette schaffte es, zugleich echt nervös und dabei total großmäulig zu sein. Sie eröffnete das Spiel des gegenseitigen Abcheckens mit einem genialen Zug: Von ihrer Arbeit erzählen. Was ja noch ok wäre, aber dann durfte ich mir wirklich 20 Minuten lang anhören, wie viel Jeanette verdient und warum sie toller als alle ihre Kollegen ist. Und wurde natürlich direkt nach meinem Gehalt gefragt. Das will ich beim ersten Date auch unbedingt jemandem auf die Nase binden.

Zeit für Nervennahrung - schnell einen Schokoladenmuffin bestellen. Jeanette hatte sich einen Soja Latte bestellt, denn auf sich achten muss man ja schon, ne. Aber nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf andere: Jeder Happen, den ich vom Muffin nahm, wurde nach kritischen Blicken auf meine Körpermitte mit den Augen vom Teller zum Mund genau verfolgt. „Isst du eigentlich viel Süßes?“ Alter. Echt subtil. „Ich selber mache ja viel Sport.“ Erzähl´s deiner Schrankwand, Jeanette. Fehlte nur noch ein Foto vom Ex mit perfekter, durchtrainierter Figur.

Und so oft, wie Jeanette auf ihr Handy starrte, hatte ich schon jeden Moment mit einem Foto gerechnet. Nebenbei wurden noch Mails gecheckt (Jeanette verdient nicht nur viel, sie ist auch sehr wichtig), ein Selfie für Facebook gemacht und mit einer Freundin gechattet. Jeanette war definitiv multitaskingfähig, hatte aber in manchen Punkten dann doch ein leichtes Aufmerksamkeitsdefizit.

„Läuft ja echt ganz gut hier, ne? Ganz ok siehste ja auch aus.“ Ernsthaft jetzt? Machte sie sich auf ihrem Smartphone kleine Memos mit einem Ranking? Aussehen: 2, Job: 3, Gespräch: 3+. Am Ende wird eine Durchschnittsnote errechnet und dann gibt es vielleicht einen Recall.

Aber Jeanette hatte noch eine viel bessere Agenda: Ein weiteres Date. „In ner Stunde bin ich hier mit Felix verabredet. Ich wäre ja blöd, wenn ich nicht alle Optionen mal testen würde.“ Blöd ist vor allem, dem jetzigen Date das auch noch zu erzählen. Erklärte andererseits, warum sie dauernd auf die Uhr guckte. Ein Treffen der beiden „Optionen“ wollte sie dann wohl doch lieber nicht riskieren. An dem Punkt habe ich die Jacke angezogen und bin kommentarlos gegangen. Die Rechnung habe ich ihr überlassen – zahlte Superverdienerin Jeanette ja bestimmt aus der Portokasse. 

Bildnachweis:
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Zeit für Nervennahrung - schnell einen Schokoladenmuffin bestellen. 

Autor
Hannes
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