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Kolumne

Kondom, Kondom - wo bleibt die Innovation?

13.10.2017

 

Das Thema "Kondominnovationen" ist ausgezeichnet dafür geeignet, Leute ins Rotieren zu bringen: Die einen, weil sie vor Kreativitätsschüben überhaupt nicht mehr auf dem Planeten Erde weilen, die anderen, weil sie vor lauter Argumenten dagegen überhaupt keine Luft mehr bekommen.

Fakt ist, dass die Produktidee Kondom schon sehr lange existiert: Manche behaupten, Kondome bereits in Höhlenmalereien zu erkennen, andere beziehen sich auf den König Minos von Kreta, der Angst vor zu vielen Thronräubern hatte (die Thronräuber wurde also quasi im Keim erstickt). Jedenfalls scheint die Menschheit schon ziemlich früh darauf gekommen zu sein, dass das Ejakulat des Mannes im Vaginaltrakt der Frau irgendwie zu Kindern und kein Ejakulat eben zu keinen Kindern führt. Manche haben es gehalten wie Onan in der Bibel, der damit wohl der inoffizielle Schutzheilige alles Auto-Erotischen ist. Manche waren etwas brachialer wie z. B. einige Aborigines Stämme in Australien, die "Subinzinsionen" durchführten bzw. durchführen (d. h. die Harnröhre wird auf der Unterseite des Penis aufgetrennt, damit das Ejakulat außerhalb der Vagina aus dem Penis herausrinnt). Seien wir Männer also allesamt glücklich, dass irgendwann jemand das Kondom erfunden hat!

Produktidee und Experimente

Also: Produktidee war da, los ging es mit den Innovationen. Zunächst hat man sich erst einmal alles gegriffen, was so herumlag - Fellreste, Lederstückchen, irgendwelche Stoffe; Kreative kamen dann auch auf Gedärme aller Arten, die einerseits recht dünn, andererseits einigermaßen stabil sind und so weiter und so weiter. Ein paar hundert bis tausend Jahre später hat man dann auf immer höherwertigere Stoffe zurückgegriffen. Der berühmte Herr Casanova soll beispielsweise wohl ein Kondom aus Samt besessen haben. In jedem Fall war die Herstellung von Kondomen recht aufwändig und teuer, sodass sie deutlich öfter als nur einmal verwendet wurden; es sind sogar Kondomfunde bekannt, die während ihrer Verwendungszeit mehrfach geflickt (kein Schreibfehler!) worden sind.

Als das „Gummi“ zum Gummi wurde

Alles in Allem dürfte die Verwendung von Kondomen für keine der beteiligten Parteien besonders befriedigend gewesen sein (hatte ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass man bei der Thematik "Kondome & Co." von einem Kalauer in den nächsten stolpert?). Eine echte Verbesserung wurde erst 1855 von Charles Goodyear entwickelt, der wenige Jahre zuvor eher zufällig das Geheimnis der sogenannten Gummi-Vulkanisation entdeckt hatte. Die Kondome von Goodyear waren zwar schon für die Serienproduktion in großen Mengen geeignet und stellten insofern einen enormen Fortschritt in puncto Einmalverwendung/ Hygiene dar. Allerdings ging die Wandstärke dieser Kondome eher in Richtung Fahrradschlauch und außerdem war noch eine ausgeprägte und deutlich spürbare Naht vorhanden. Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Gummi-Rezepturen und die Produktionstechnik dann immer mehr verbessert, sodass man ca. seit den 1930er Jahren das Kondom in einer Form vorfindet, wie sie heute noch existiert.

Fragwürdige Neuheiten

Und seitdem? Tja, für den Kondomanwender hat sich spürbar eigentlich nicht mehr viel getan. Sicher: Es gibt Kondome in allen Farben dieser Welt, manche haben verschiedene Oberflächenstrukturen, manche spezielle Gleitmittel, denen man die eine oder andere Wirkung nachsagt. Manche Kondommarken wollen sich darüber differenzieren, dass sie quasi-individuelle Größen für die Verwender herstellen – warum das bei genauer Betrachtung mehr als nur ein wenig ulkig ist, werde ich ein anderes Mal berichten. Zu guter Letzt setzt man heutzutage auch noch andere Werkstoffe wie Polyurethan oder Polyisopren ein, welche zwar hinsichtlich der seltenen Allergie gegenüber Naturkautschuklatex zumindest teilweise Vorteile bieten (dafür natürlich anderes allergenes Potential bereithalten), ansonsten für den Anwender allerdings mehr oder minder gleich zu den Kondomen aus Naturkautschuklatex sind. Vor ein paar Monaten wurde gar der neuartige Stoff Graphenoxid als Werkstoff für Kondome ins Feld geführt – seitdem hat man abgesehen von ein paar windigen Marketingtricks allerdings nichts mehr davon gehört.    

Nichts Neues mehr?

Warum gibt es so wenig sichtbare Innovationen? Einerseits liegt es einfach in der Natur der Sache: Die Produktidee des Kondoms ist so alt wie nur wenige andere Produkte des heutigen Lebens. Wenn man sich nun z. B. ein Messer anschaut, so wird man auch hier natürlich Unterschiede zu den ersten Modellen aus der Steinzeit finden. Abgesehen vom Design dürfte sich aber auch das Messer in den letzten paar hundert Jahren sichtbar (bzw. in der Anwendung spürbar) kaum weiterentwickelt haben. Das Kondom funktioniert in seiner heutigen Form übrigens ausgezeichnet: Bei korrekter Anwendung ist die Versagerquote extrem klein und die Schutzquote entsprechend hoch, es ist sehr gut verträglich und es ist verglichen mit anderen Methoden ziemlich günstig. Der andere Grund für die wenigen sichtbaren Innovationen liegt darin, dass Kondome als Medizinprodukte gelten und daher über Normen und Gesetze sehr stark reguliert sind. Dies übrigens völlig zurecht: An allererster Stelle muss bei Kondomen die Sicherheit der Anwender stehen, welche beim aktuellen status quo schon sehr hoch ist. Es bedarf daher einer genauen Prüfung, ob eine Innovation wirklich eine Verbesserung oder nicht versehentlich eine Verschlechterung des aktuellen Status ist.

Schon, aber…

Dann gibt es also keine Innovationen mehr bei Kondomen? Doch, die gibt es – nur sind die für die Kondomanwender nicht unbedingt sichtbar und direkt erlebbar. Wir befinden uns bei Ritex beispielsweise in einem kontinuierlichen Prozess, die Rezeptur unserer Kondome noch besser zu machen (also beispielsweise noch bessere mechanische Stabilität, noch etwas weniger lösliche Proteine usw.). Natürlich bemühen wir uns auch, erlebbare Innovationen für unsere Verwender zu entwickeln, die z. B. entweder einen echten Zusatznutzen über neue Kondomformen oder Gleitmittel bieten oder die die Anwendung für die Verwender noch angenehmer und leichter gestalten.

Haltet im Herbst 2017 hinsichtlich Innovationen von Ritex einfach mal die Augen auf – ich habe da so ein Gefühl, dass da etwas kommen könnte…

An allererster Stelle muss bei Kondomen die Sicherheit der Anwender stehen

Autor
Robert Richter
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