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Kolumne

Penisgrößen - was ist dran am Mann?

06.09.2017

 

Das Schöne an der Arbeit in der Kondombranche ist, dass man sich völlig ernsthaft und wissenschaftlich neutral mit schlüpfrigen Themen auseinandersetzen darf. Ein Dauerbrenner dabei ist die Größe des hochverehrten männlichen Genitals. Was hat sich die Menschheit (vor allem aber die Mannheit) nicht schon mit diesem Thema auseinandergesetzt! Besondere "Stilblüten" haben dabei die Römer sprießen lassen.

Schwören auf andere Art

ACHTUNG – heißer Tipp für den nächsten Small Talk in der illustren Runde: Haben Sie sich je gefragt, warum es "Testament" oder "testieren" heißt (rein rhetorische Frage natürlich, Anm. d. Verf.)? Es handelt sich dabei um Lehnwörter von dem lateinischen "testare" = bezeugen, bescheinigen usw. Da die Römer bekanntlich die Bibel noch nicht besaßen, legten sie beim offiziellen Bezeugen wichtiger Handlungen Ihre Hand auf das Wertvollste, was sie besaßen – nämlich die Testikel (was das ist, schlagen Sie bitte ggf. nach). Ob die Größe des Penis dann einen Einfluss auf das Gewicht des Schwurs hatte, kann wohl nicht mehr abschließend geklärt werden.

Penisvermessung – gar nicht so einfach

Kommen wir aber zurück zum medizinisch-technischen Teil: Wie groß ist der menschliche Penis? Wenn man sich mit dieser Fragestellung auseinandersetzt, merkt man sehr schnell, dass dies eine typische Gretchenfrage ist – leicht gestellt, aber schwer zu beantworten. Dies hat mehrere Gründe:

1.    Wie man durch eigene Stichproben (VORSICHT: Kalauer!) oder auch durch Recherche auf einschlägigen Internetseiten sehr schnell nachprüfen kann, gibt es eine große Bandbreite an Penisformen: Manche sind sehr gleichmäßig, manche sind an einigen Stellen dicker als an anderen Stellen; manche sind sehr gerade, manche eher schief usw.

2.    Die Größe des Penis ist stark vom Grad der sexuellen Erregung des Mannes abhängig. Grundsätzlich gilt: Je größer die Erregung, desto größer der Penis. Allerdings gibt es auch viele weitere Einflussfaktoren. Sowohl physischer als auch psychischer Stress ebenso wie Krankheiten und Drogen aller Art können dafür sorgen, dass eine Erektion deutlich schwächer als grundsätzlich möglich ausfällt. Manche Männer haben auch generell eine schwächer ausgeprägte Erektion als andere (s. Blutpenis vs Fleischpenis).

3.    Selbst während eines Geschlechtsaktes ist es nicht ungewöhnlich, dass der Grad der Erektion schwankt, also mal stärker, mal schwächer wird.

4.    Vor allem aber ist die Vermessung des Penis deutlich schwieriger als man meinen sollte: Wird alleine "zuhause im dunklen Kämmerlein" gemessen oder wird dies durch medizinisches Fachpersonal erledigt? Wird der Penis im privaten Umfeld von einem (oder auch mehreren) Laien vermessen, stellt sich die Problematik der sinnvollen Messwerkzeuge (wobei ein Maßband hier gute Dienste leistet) und vor allem die korrekte Verwendung der Messwerkzeuge (wo wird gemessen, wie stramm müssen die Werkzeuge angezogen werden, wie wird richtig abgelesen usw.).

5.    Bei Messungen im professionell-medizinischen Bereich stellt sich wiederum die Frage, welchen Einfluss das Umfeld auf die Erektion hat: "Legense mal los und dann schaun mer ma, wie groß er wird" mag ja bei der durchschnittlichen, westlich-youporn-geprägten Herrengeneration noch zu respektablen Ergebnissen führen, dürfte (gefühlt) jedoch bei konservativ-transzendent erzogenen Vertretern alles zum Erliegen bringen.
Kurzum: Der Penis ist eben kein Rohr, auch wenn der ein oder andere es doch so formulieren mag, und eben nicht einfach zu vermessen.

Das Schöne an der Arbeit in der Kondombranche ist, dass man sich völlig ernsthaft und wissenschaftlich neutral mit schlüpfrigen Themen auseinandersetzen darf.

Autor
Robert Richter
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