Kolumne

Männlichkeit heute: Weich, hart, beides?

Das, was heute unter „männlich“ verstanden wird oder verstanden werden darf, wird gerade sehr kontrovers diskutiert. Ganz besonders hitzig war die Diskussion, als Gillette im Januar einen neuen Werbespot zum Thema Männlichkeit rausbrachte.

Was war passiert? Im Spot wurden alte Bilder von Männlichkeit wie Prügeleien, aggressives Verhalten, Mobbing und Sexismus kritisiert und dann Eigenschaften und Verhaltensweisen gegenübergestellt, die konträr dazu stehen: Hilfsbereitschaft, Streitschlichtung und Respekt. Auf diesen Spot gab es neben positiven auch sehr viele negative Reaktionen.

Zu männliche Männer

Der Spot griff einen wunden Punkt auf: Das Bild von Männlichkeit ist in der Gesellschaft heute oft noch ein ziemlich toxisches, das das oben genannte Rollenverhalten widerspiegelt. Je rüpelhafter und rücksichtsloser, desto männlicher. Das ist ein Teil von starren Geschlechterrollen aus der Vergangenheit (dachten wir zumindest) - der harte Kerl und sein Gegenpart, die emotionale, schutzbedürftige Frau.

Klar ist scheinbar, was wir von Männern nicht mehr wollen. Aber was ist dann das neue Bild des modernen Mannes? Die Verabschiedung eines alten Rollenklischees bedeutet ja schließlich den schönen Nebeneffekt, dass Mann eine neue Rolle für sich festlegen kann. Verschiedene Erwartungen verwirren, und oft ist sich Mann nicht sicher, was speziell frau denn nun eigentlich von ihm will.

Was wollen Frauen von Männern?

Sophie Andresky, Autorin von erotischen Romanen (einen davon haben wir im Blogbeitrag vorgestellt), hat das in einem Artikel für den Playboy auf den Punkt gebracht. „Moderne Beschützertypen werfen sich nicht vor die Liebste, sondern stehen hinter ihr. Und halten ihr Hausarbeiten und blöde Sprüche vom Leib statt Revolverkugeln.“

Will Frau Andresky jetzt jedem Mann nahelegen, ein typischer „Softie“ zu werden? So richtig schön klischeehaft? Nein, eben nicht. Es geht viel mehr um Augenhöhe. Es geht darum, dass nicht mehr selbstverständlich Frauen die Männer dabei unterstützen, Karriere zu machen, sondern auch andersrum. Dass Männer sich keine blöden Sprüche anhören müssen, wenn sie Elternzeit in ihren Jobs nehmen. Frauen umgekehrt nicht, wenn sie als Mutter berufstätig sind. Darum, dass Männer sich nicht kleiner fühlen, wenn die Frau oder Freundin mehr Gehalt bekommt, sondern ihr sagen: „Das hast du dir verdient.“ Diese Liste ließe sich noch lange fortführen. Daher kurz zusammengefasst: Wirkliche Unterstützung auf allen Ebenen statt heroischer Gesten und hartem Gehabe.

Männlich – wie darf das aussehen?

Wie hart oder weich darf ein Mann denn nun sein? Die Frage lässt sich gar nicht eindeutig beantworten. Wir alle müssen und sollten in der heutigen Zeit nicht mehr in vordefinierten Geschlechterrollen denken – dann muss auch keiner eine Rolle spielen und Rollenerwartungen erfüllen, sondern kann selbst festlegen, was denn Männlichkeit oder Mannsein ausmacht (oder auch Frausein, btw). Viele Männer haben selbst keine Lust mehr, der harte Kerl sein zu müssen, der sich nie etwas anmerken lässt und den nichts erschüttern kann. Und schon gar nicht wollen viele eine „toxic masculinity“ bedienen (Verhalten wie im ersten Teil des Werbespots dargestellt). Und aktuelle Männlichkeitsbilder sind oft noch toxisch.

Der Werbespot wurde oft als Anti-Männer-Werbung oder Krieg gegen die Männlichkeit kritisiert. Der Spot soll aber keine pauschalisierende Kritik an allen Männern sein oder will etwas vorschreiben. Es stecken auch keine „Feminazis“ dahinter, die Männern etwas wegnehmen wollen. Er macht nur Vorschläge, was in unserer Kultur auch als männlich gelten könnte. „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Darauf möchte ich Grönemeyer antworten: Wenn er sich nicht wie Donald Trump auf Koks verhält – Stichwort toxic masculinity.

Gillette jedenfalls möchte in Zukunft alle Geschlechterstereotypen aus seiner Werbung verbannen. Ist doch schon mal ein guter Anfang.

Bildnachweis:
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Was ist das neue Bild des modernen Mannes?

Autorin
Jacqueline
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