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Pearl Index

Zu seinen Lebzeiten war Raymond Pearl unter anderem für seinen Hang zu Partys bekannt (auch die Prohibition hielt ihn nicht vom Feiern ab). Heute verbinden wir vor allem eins mit ihm: Den Pearl Index. Ihr habt die detektivische Meisterleistung bezüglich des Zusammenhangs wahrscheinlich schon vollbracht - der Pearl Index wurde nach seinem Erfinder Raymond Pearl, einem US-amerikanischen Biologen, benannt. 1932 hat er ihn ins Leben gerufen.

Was genau sagt dieser Index aus? Mit Perlen hat er schon mal nichts zu tun. Sondern vor allem mit Verhütung und deren verschiedenen Methoden.. Pille, Kondome, Hormonspirale, Diaphragma oder Sterilisation – für jede Verhütungsmethode kann ein Pearl Index errechnet werden. Je niedriger dieser ist, desto sicherer die Methode zur Verhütung (so viel zur Theorie).

Was genau bedeutet der Pearl-Index?

Je niedriger, desto besser – das haben wir oben schon geklärt. Aber wie genau wird der Pearl Index ermittelt und was sagt die Zahl konkret aus? Der Pearl Index ist eigentlich nur eine Prozentangabe der Anzahl von Frauen, die innerhalb eines Jahres schwanger geworden sind. So einfach, so irreführend.

Denn die eigentliche Frage lautet: Warum sind die Frauen schwanger geworden? (Also abgesehen davon, dass die Biene zur Blume gefunden hat). Hat die Verhütungsmethode versagt, hat die Anwendung der Verhütungsmethode nicht funktioniert und wenn ja, warum? Bei welchen Frauen wurden die Daten erhoben: Beim statistischen Durchschnitt, bei besonders fruchtbaren Frauen, bei Frauen nach der Menopause (also Pearl Index immer = 0)? Wie oft hatten die Frauen Sex und vor allem wann?

Methoden-Index und Gebrauchsindex

Ohne genaue Kenntnis der Daten einer Studie sagt der Pearl Index also nichts oder zumindest äußerst wenig aus. Deshalb werden mittlerweile eher der Methoden-Index oder der Gebrauchsindex zur Beurteilung der Sicherheit genutzt, welche die Datenunsicherheit zumindest etwas eingrenzen wollen.

Der Methoden-Index gibt die Versagensquote einer Verhütungsmethode an, wenn diese korrekt angewendet wird. Klingt erst einmal super - wenn da nicht wieder die nervige Realität wäre, welche die Datenqualität so unterschiedlich macht: Beispielsweise die Einnahme der Pille und das Einsetzen einer Spirale mögen ja durch Fachpersonal über ein Jahr hinweg aufgezeichnet und überwacht werden, sodass man nach einem Jahr einen recht präzisen Wert erhält. Nun aber Kondome:
Im Zeitraum von einem Jahr überwacht das Fachpersonal die Lagerung, das Auspacken, das Anlegen und die Anwendung von Kondomen und das Ganze natürlich auch bei allen Kondomanwendungen (also auch am Hochzeitstag, nach der Party um 6 Uhr morgens usw.) …eher unwahrscheinlich. Kurzum: Diese Daten gibt es zumindest für Kondome nicht.

Der Gebrauchsindex bemüht sich wiederum, die Versagensquote einer Methode unter realen Bedingungen zu erfassen – im Prinzip also das, was zumeist unter dem Pearl Index verstanden wird. Aber genau deshalb treten hier auch dieselben (oder zumindest sehr ähnliche) Probleme wie beim Pearl Index auf. Wieder das Beispiel Spirale vs. Kondom:

Die Spirale wird einmal durch Fachpersonal eingesetzt und die Anwenderin muss anschließend nichts weiter tun, was die Verhütung einer Schwangerschaft angeht. Bei Kondomen besteht der erste Schritt schon darin (wenn man ehrlich ist), überhaupt daran zu denken,  ein Kondom zu verwenden. Das heißt im Klartext, dass der Gebrauchsindex im erheblichen Maße vom Verwender abhängt und damit auch (je nach Qualität der Studiendaten) nur sehr begrenzt für allgemeine Aussagen taugt.

Wie verlässlich ist der Pearl Index?

Das Fazit ist also, dass alle diese Indizes nur eine vage Aussage leisten können und dass jedes Ranking hinsichtlich Sicherheit von Verhütungsmethoden mit Vorsicht zu genießen ist. Ein guter Ratschlag ist sicherlich, dass jeder sich mit den verschiedenen Verhütungsmethoden sehr gut auseinandersetzen und überlegen sollte, welches Verhütungsmittel  am besten zu einem passt:

Geht es mehr um Kontrazeption (also Verhütung von Schwangerschaft), geht es mehr um Infektionsprophylaxe, habe ich Bedenken wegen der unerwünschten Nebeneffekte und vieles mehr. Und hier schneidet die Methode „Kondom“ zumindest in diesen drei Punkten schon einmal hervorragend ab!

 

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Wie genau wird der Pearl-Index ermittelt und was sagt die Zahl konkret aus?

Autorin
Elena
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