Kolumne

Mein Leben mit dem Kondom

Anders als die meisten Verwender von Kondomen bin ich nicht erst im Zuge der Aufklärungsarbeit von Eltern/ Lehrern/ Magazinen-mit-mehr-oder-weniger-zweifelhaften-Inhalten oder neuerdings dem "Internet" mit diesem Produkt in Kontakt gekommen, sondern bereits als kreges Vorschulkind, welches gerne mit Ballons spielte (wie es Kinder in diesem Alter ja zu tun pflegen). Der eigentliche Sinn eines Kondoms blieb mir zwar noch etwas länger verborgen, allerdings schätzte ich schon damals das erstaunliche Füllvolumen von Kondomen - für interessierte Kreise: 18 Liter setzt die internationale Kondomnorm als Minimum voraus, aber gute Markenkondome schaffen auch locker das doppelte Volumen.
Glücklicherweise haben wir bei Ritex genügend Prüfmaschinen, die unsere Kondome für die Berst-Tests aufblasen können: Ein Kondom mit bloßer Lungenkraft zum Platzen zu bringen ist gar nicht so einfach, wie es vielleicht aussieht. 

Anders, aber trotzdem "normal"

Deutlich interessanter wurde die Thematik für mich natürlich im Rahmen meiner Schulzeit, wo dann auch meine werten Mitschüler sich mit "Fortpflanzung und deren Verhinderung" beschäftigen mussten. Ganz im Sinne des heutigen Inklusionsgedankens machte ich allerdings die Erfahrung, dass nach einem anfänglichen Erstaunen ob des wunderlichen Lebensunterhalts meiner Familie dann relativ schnell die Akzeptanz als "normal" bei meinen Klassenkameraden einsetzte: "Das ist Peter, sein Vater verkauft Versicherungen. Das ist Robert, sein Vater verkauft Kondome". (Naja – bezogen auf den eigentlichen Nutzen sind diese Produkte ja auch gar nicht so unterschiedlich). Was sicherlich auch geholfen hat, war die knapp 20 Jahre zurückliegende sexuelle Revolution. Zu Zeiten meines Vaters, so wurde mir berichtet, musste das Familiengewerbe noch irgendwie mit der bereits oben erwähnten Produktion von Luftballons umschrieben werden. Zu Zeiten meines Großvaters wurde darüber sogar überhaupt nicht geredet: Das waren noch die Zeiten, wo man nach einem Haarschnitt beim Herrenfriseur wortlos eine Mark mehr als gefordert auf den Tresen legte und ebenso wortlos unter dem Tresen ein Kondom gereicht bekam.

Wilde Zeiten

Die Hochzeiten (also die Hoch-Zeiten, nicht die Hochzeiten) meiner Kondom-Familienbetriebs-Geschichte spielten sich dann aber während der guten, alten Studentenzeiten ab. Dank der ZVS bin ich stets meiner Geburtsstadt Bielefeld treu geblieben, sodass ich dann für die ein oder andere Studentenparty auf die elterlichen Räumlichkeiten zurückgreifen konnte. Dort fanden sich dann auch stets ein oder mehrere Kondomdisplays, welche nach den Partys natürlich komplett leer standen. Nach meiner heutigen Kenntnis der Kondomverbrauchsstatistik muss sich der ein oder andere meiner Gäste allerdings deutlich mehr Erfolg bei potentiellen Partnern ausgerechnet haben, als dies objektiv gerechtfertigt gewesen wäre – aber der Weg ist bekanntlich das Ziel!

Freundliche (-familiäre) Übernahme

Wie es sich für den vielbesungenen Kleinen Deutschen Mittelstand gehört, bin ich nun seit rund 10 Jahren den Fußstapfen meines Vaters und dessen Vaters gefolgt und im Familienunternehmen Ritex tätig. (Wer es noch nicht gehört hat: Ritex steht für Richter Latex.) Noch immer sind Kondome unser Hauptbeschäftigungsfeld, jedoch stellen wir seit einigen Jahren auch Intim-Gleitmittel und "speziellere Artikel" wie z. B. Schutzhüllen für Ultraschall-Sonografiesonden her (wenn Mann noch nie von so etwas gehört hat, einfach mal die Freundin/ die Frau fragen). An unserem Standort in Bielefeld finden sowohl die Produktion als auch die Weiterentwicklung unserer Produkte statt, wenngleich dieses Bild nur einen vagen Eindruck unserer Tätigkeiten vermittelt.

In jedem Fall bleibt festzuhalten, dass die Arbeit mit den nicht ganz so alltäglichen Alltagsprodukten jede Menge Spaß macht – nicht nur, weil das Produkt mit ihr-wisst-schon-was verknüpft ist, sondern weil es auch in rechtlicher, vertrieblicher, werblicher und überhaupt vielerlei Hinsicht komplett anders als andere Produkte ist. Davon aber später mehr. Bis dahin, schaut doch einfach einmal auf unserer Homepage vorbei, was es alles von unserer Seite rund um Kondome und Gleitmittel gibt (www.ritex.de) oder aber, was es wohl demnächst so geben könnte. Viel Spaß dabei!

die Arbeit mit den nicht ganz so alltäglichen Alltagsprodukten macht jede Menge Spaß

Autor
Robert Richter
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